„Hey DJ, schreibst du mich auf die Liste??“

DJ´s kennen das nur zu gut: ein cooles Event kündigt sich an und plötzlich hast du wieder ganz viele neue Freunde.

Wer selber einmal veranstaltet hat, weiß genau wie der Hase läuft: für jeden Gast, den der DJ mehr auf seiner Liste hat, nimmt man weniger ein. Gerade bei Events, wo man nicht auf die Gastro-Einnahmen zurückgreifen kann, ist die Tür nun mal die einzige Kasse, aus der man den (maßlos überteuerten) DJ bezahlen muss. Ganz zu schweigen von all den lustigen Nebenkosten.

Viele Veranstaltungen sind auch einfach sehr große Produktionen, wo es meist gar nicht möglich ist, dass du 10 oder mehr Leute auf deine Liste schreiben kannst und dafür habe ich auch vollstes Verständnis.

Gästelistenplätze vergibt man entweder an seine Freunde oder man trägt selber noch etwas zur Promo bei, nämlich indem man die Plätze zur Verlosung ausgibt.

Und trotzdem gibt es sie immer wieder, die Gästelisten-Bettler.

Also lasst sie uns einmal kategorisieren:

Dein größter Fan: „Ey Junge, ich supporte dich voll! Ich habe alle deine Platten, weißt du? Alter, bitte setz mich heute auf die Liste, ja?“

Die „Ich-kenn-den-DJ“-Masche: „Jo Marc. Wir sitzen hier gerade bei mir und glühen vor. Wir feiern deine Mucke so hart! Ich hab meinen Leuten gesagt, dass ich dich gut kenne. Kannst du uns heute mit rein bringen?“ – Ich kenne dich aber nicht.

Der Selbstverständliche: „Wie, ich stehe heute nicht auf der Liste? Hab ich dir was getan? Pffff, na dann bleib ich halt zu Hause!“

Der Nimmersatt: „Cool dass das geklappt hat. Danke für die Liste. Hast du gleich noch paar Getränkemarken für mich?“ – na klar doch, im Backstage wurden auch direkt noch ein paar Nasen für dich vorbereitet. Taxigeld für die Heimfahrt gibt es später. (facepalm)

Der Warteschlangen-Umgehungs-Trick: „Marc, wir würden echt gern Eintritt zahlen. Kannst du uns aber wenigstens auf die Liste setzen, damit wir nicht anstehen müssen?“ – in Berlin der Klassiker. Aber okay, das ist verständlich und trotzdem sympathisch.

Der Copy & Paste – Fail: „Hey Thomas, ….“ – ooooh, man sollte schon den Namen austauschen, wenn man sein Bettel-Gelübde gleich an mehrere schickt.

Der Autogramm-Trickser: „Hey Marc, ich hab noch eine alte Platte von dir daheim. Ich bring die nachher mit, kannst du mir die dann signieren? Wäre aber lieb wenn ich damit draußen nicht so lange anstehen muss.“ – na logisch. Nicht, dass die Platte an der frischen Luft noch Beulen bekommt!!!

Dein alter Schulfreund: „Weißt du noch wie wir früher um die Häuser gezogen sind? Und krass, was aus dir geworden ist. Du gehst ja richtig steil! Sag mal, ich bin gerade zufällig in der Stadt und würde heute Abend gern mal gucken, wie du das so machst…..“

Der arme Student: „Hey Marc, ich bin erst kürzlich wegen meinem Studium hier her gezogen. Ich hab mein ganzes Geld in den Umzug gesteckt und jetzt habe ich nichts mehr. Will aber trotzdem feiern gehen…“

Der Weitreisende: „Ich bin nur hier um dich zu sehen, bin sogar getrampt! Jetzt hab ich aber nur noch Geld für ein Brötchen….“

Der Spendable: „Alter, ich hab mir vorhin erst ´nen riesigen Batzen Gras gekauft, jetzt hab ich keine Kohle mehr. Kannst du mich heute ausnahmsweise mal auf die Liste setzen? Ich drehe dir auch ´ne Tüte!“

Der Schnaps-Kumpel: „Ey, wir trinken heute mal richtig einen zusammen, wa? Setz mich auf die Liste und der Abend geht auf mich!“

Das Feierschwein: „Jo Alter, ich bin schon seit Donnerstag unterwegs. Ich will übel gerne noch zu deinem Set abraven, hab aber keine Kohle mehr. Kannst du…?“

Der Freundinnen-Trick: „Hey Marc, wir sind 3 junge Mädels aus Hamburg, die heute zusammen in Berlin mal richtig Spaß haben wollen. Wir haben uns extra hübsch gemacht für dich, kannst du uns bitte auf die Liste setzen???“………………….…………….. (na gut.)

Dein Bro: „Pass auf! Da du eh keinen hast, den du auf die Liste setzt – das ist meine Liste für dich: Bernd + 1, Uwe, Uschi, Jürgen, Mandy + 2. Peace!“

So und nein, ich bin kein „Gästelisten-Nazi“. Ich möchte nur gern selber entscheiden, wen ich drauf schreibe und wen nicht. Betteln mag ich gar nicht, erst recht nicht von Leuten, die ich überhaupt nicht kenne und die am Ende noch nicht einmal wissen, wie mein Künstlername richtig geschrieben wird.

Feiern kostet Geld, keine Frage. Es ist ein Luxusgut. Aber die Gästeliste dient nicht dazu, den Drogenkonsum anderer Leute zu kompensieren, nur um damit Geld zu sparen. Wer seine Kohle sinnlos verplempert, hat es auch einfach nicht verdient, in den Genuss eines Gästelistenplatzes zu kommen.

Aber natürlich gibt es sie noch, die mir ans Herz gewachsenen Feierleute, die man einfach gern und völlig freiwillig auf die Liste setzt. Sei es der liebevolle Veranstalter aus einer anderen Stadt, ein guter Kumpel aus alten Tagen, ein Produzenten-Kollege oder schlichtweg ein lieber Mensch – genau dafür gibt es die Gästeliste.

Habt ein schönes Wochenende!

Marc.

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Veröffentlicht in Allgemein

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